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01.03.2018
Erschienen in: 02/2018  aerokurier

Der Laden für SegelfliegerÜlis Segelflugbedarf

Wenn Tape fehlt, eine Düse kaputt geht oder das FLARM spinnt, wählen tausende Segelflieger die Nummer von Sylvia Böhnisch. 25 Jahre ist die Familie Böhnisch/Stampke mit ihrem Luftfahrtshop dabei – ein schöner Anlass für einen Blick hinter die Kulissen von Ülis Segelflugbedarf.

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Die Köpfe hinter Ülis Segelflugbedarf: Sylvia „Üli“ Böhnisch, Kurt Stampke, Horst Böhnisch und Marcus Böhnisch (v. r.). Foto und Copyright: Lars Reinhold

Üli, hast du noch was von ...?“ So oder so ähnlich dürften viele der tausenden Telefongespräche angefangen haben, die Sylvia Böhnisch in den letzten 25 Jahren entgegengenommen hat. Böhnisch, besser bekannt unter ihrem Spitznamen aus Kindertagen, „Üli“, ist für viele Segelflieger die wichtigste Anlaufstelle, wenn es um klassischen Pilotenkram wie Abklebeband, Luftfahrtkarten, Flugbücher oder beratungsintensive segelflugspezifische Ausrüstung geht.

„Tatsächlich gibt es Tage, an denen ich nur am Telefon hänge“, gibt die sympathische Mittvierzigerin zu, die viele Kunden allerdings nicht nur vom Telefon her, sondern auch persönlich kennen. Kein Wunder: Viele Jahre selbst aktive Leistungssegelfliegerin mit erfolgreichen WM- und EM-Teilnahmen sowie dem Clubklasse-DM-Titel 1998 in Jena, ist Üli noch immer viel auf Flugplätzen im ganzen Land unterwegs. Insbesondere bei Meisterschaften ist sie häufig einige Tage mit dem kleinen „Bauchladen“ mit Basisausstattung vor Ort, um die Teilnehmer mit dem Wichtigsten zu versorgen. Kundennähe ist das Credo, nicht erst seit Üli die Fäden in der Hand hat.

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Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Sicherheitsprodukte ins Portfolio. Foto und Copyright: Lars Reinhold

Die Geschichte des Unternehmens reicht zurück bis ins Jahr 1993. Ülis Vater, Kurt Stampke, erinnert sich: „Damals habe ich mit 58 Jahren meinen Job als Luftfahrtingenieur aufgegeben.“ Allerdings kann der begeisterte Segel- und Motorsegelflieger mit dem Ruhestand wenig anfangen. „Was machst du jetzt?, fragte ich mich. Ich bin damals bei der MBB-SG Augsburg geflogen, und wir haben immer für den ganzen Verein die ICAO-Karten bestellt – und auch mal die ganze Bestellung in der S-Bahn liegen lassen. Irgendwann kamen da Tape und Politur hinzu, und immer wenn ich auf Landesmeisterschaften war oder Üli Juniorenwettbewerbe geflogen ist, kamen die Leute zu uns und wollten etwas kaufen. So entstand die Idee mit dem Luftfahrtshop.“

Die Platzhirsche Friebe und Siebert sind schon damals vor allem auf Motorflug ausgerichtet, und Kurt beschließt, sich mit seinem Pilot’s SHOP auf die Segelflieger zu konzentrieren. „Damit war ich am Anfang in Deutschland der einzige, wenn nicht sogar in Europa.“ Das Internet steckte zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen, und so organisieren die Stampkes ihr Geschäft als klassischen Katalog-Versandhandel. „Der erste Katalog hatte fünf Seiten und war manuell erstellt. Den haben wir auf Segelfliegertagen und Wettbewerben den potenziellen Kunden persönlich in die Hand gedrückt. Er war das wichtigste Kommunikationsmedium.“

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Chefin Sylvia verbringt viel Zeit mit telefonischer Kundenberatung. Foto und Copyright: Lars Reinhold

1997 geht die erste, von Üli selbst programmierte Internetseite online. „Das war alles noch sehr einfach gestaltet und eher ein Formular als ein Online-Shop“, sagt Kurt. Allerdings, die Community beginnt sich zu entwickeln. Die Seite www.segelflug.de geht ebenfalls an den Start und wird zu einem zentralen Kommunikationsportal, von dem auch der Pilot’s SHOP profitiert. 1999 zieht Kurts Tochter Sylvia nach Gedern und steuert von dort aus stetig wachsende Anteile des Geschäftes. Die Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieurin hatte zuvor kurz bei DG Flugzeugbau, im LTB Güntert & Kohlmetz und später bei einem Softwareunternehmen gearbeitet. Als 2004 ihre erste Tochter zur Welt kommt, kündigt sie ihre Anstellung und widmet sich ganz dem deutlich gewachsenen Segelflugshop. So wird Gedern, wo Üli mit ihrem Mann Markus Böhnisch lebt, zur Zentrale des Geschäfts, ihr Vater wickelt aber noch immer einen Teil von München aus ab. Zu dieser Zeit sind bereits mehrere tausend Segelflieger regelmäßige Kunden bei Ülis Segelflugbedarf, der inzwischen sein Angebot deutlich erweitert hat. Neben Verbrauchs­material sind jetzt auch Avionikprodukte und Fallschirme im Programm, und auch Flugplatzausstattung wie beispielsweise Windsäcke bekommt man. „Dietrich Mateschitz hat mal 200 Stück davon für einen Flugplatz geordert, aber irgendwie hatte sich das Projekt dann zerschlagen“, erinnert sich Kurt.

2004 bringen drei Schweizer mit FLARM das erste Segelflug-Kollisionswarnsystem auf den Markt. „Ich bin tatsächlich über einen Artikel im aerokurier darauf aufmerksam geworden, und dann haben die Entwickler beim OLC-Symposium Kontakt aufgenommen und einen zuverlässigen Handels- und Supportpartner gesucht“, sagt Marcus. „So sind wir zum ersten FLARM-Vertrieb und Support in Deutschland geworden.“ Gerade in der Anfangszeit sei der Bedarf an Informationen zu dem System enorm gewesen, hätten die Leute auf Messen in Zweierreihen am Stand angestanden, um mehr darüber zu erfahren. „Nicht zuletzt schwere Unfälle bei Wettbewerben mussten leider dazu beitragen, das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass so etwas notwendig ist.“ Konsequenterweise kommen zusätzlich zum FLARM vermehrt Produkte für sichereren Segelflug ins Programm.

2013 verabschiedet sich Kurt endgültig in den Ruhestand und übergibt seinen Teil des Geschäfts an seine Tochter. Doch die muss die Kunden keineswegs allein betreuen, sondern hat mit ihrem Mann und dessen Vater Horst, die beide nebenbei mithelfen, tatkräftige Unterstützung. Allesamt passionierte Segelflieger, weiß jeder in der Familie genau, was die Streckenjäger auf Deutschlands Flugplätzen so benötigen. „Marcus ist eher im Hintergrund aktiv und kümmert sich um Vertragsangelegenheiten, mein Schwiegervater hilft bei Problemen mit FLARM-Geräten“, sagt Üli. „Und dann haben wir noch Unterstützung durch Teilzeitkräfte, die ja nach Auftragslage mal mehr, mal weniger Stunden bei uns sind.“

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Kaum bestellt, schon verschickt. Mitarbeiterin Nicole beim Bearbeiten einer Bestellung. Foto und Copyright: Lars Reinhold

Während bei den FLARMs inzwischen eine Sättigung erkennbar ist, hat Ülis im Rahmen der Funkumstellung auf das 8,33-kHz-Raster seit Monaten einen Ansturm zu bewältigen. „Wir würden gerne liefern, aber die Hersteller kommen mit der Produktion nicht nach“, sagt Sylvia und schiebt mit ironischem Unterton nach: „Kam ja auch alles völlig überraschend ...“

Wenngleich es bei Funkgeräten Engpässe gibt – alles andere ist im Lager in Gedern reichlich vorhanden. Oft sind es die kleinen Dinge, die man anderswo eben nicht bekommt. „Düsenstopfen zum Beispiel, die lassen wir anfertigen, und sogar die Flugzeughersteller kaufen die mitunter bei uns ein“, sagt Marcus.

Stolz sind die Böhnischs darauf, ihren inzwischen 30 000 Kunden weltweit nahezu alles rund um die Flugsicherheit im Segelflug anbieten zu können. Angefangen vom Impact Foam, dem stoßabsorbierenden Schaum für Sitzschalen, über Notfallausrüstung wie PLBs, SPOT-Tracker und diverse Blitzlichter bis hin zu Warnfolien in Leuchtfarbe kann man alles bestellen. Es versteht sich von selbst, dass der firmeneigene Ventus 2cxR, mit dem Marcus auf Strecke geht, mit all dem und sogar einem Rettungssystem ausgerüstet ist. „Man muss von dem, was man verkauft, schon überzeugt sein und es vorführen können“, sagt Sylvia. „Denn die Kunden wollen heute vor allem drei Dinge: Qualität, Qualität, Qualität. Ach ja, und natürlich guten Service.“


Kontakt Ülis Segelflugbedarf
Untergasse 1
63688 Gedern
Tel. +49 6045-950100
Web: www.segelflugbedarf24.de
Mail: info@segelflugbedarf24.de

aerokurier Ausgabe 02/2018

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