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29.07.2017
Erschienen in: 07/2017  aerokurier

Five by FiveFirmenporträt: f.u.n.k.e. Avionics

In Buchloe produziert f.u.n.k.e. Avionics seit 25 Jahren Geräte für die Kommunikation und Navigation in der Luftfahrt. Ein Blick hinter die Kulissen des Funkgeräteherstellers.

Eine markante Note von Lötzinn schwängert die Luft, auf den Werkbänken liegt hier und da Werkzeug und auf den Anzeigen der vielen Messgeräte flackern in regelmäßigen Abständen Zahlen auf, während einen Raum weiter die fertigen Geräte zum Versand vorbereitet werden. Die f.u.n.k.e. Avionics GmbH aus dem bayrischen Buchloe entwickelt, produziert und vermarktet als zugelassener Herstellungs- und Instandhaltungsbetrieb Avionikgeräte in den Bereichen Kommunikation, Navigation und Anzeige. Im Markt der Allgemeinen Luftfahrt besteht das Kerngeschäft im Verkauf von Transpondern und Funkgeräten. Vor Kurzem brachte das Unternehmen wegen der bevorstehenden Änderung im Flugfunk das 8,33-kHz-fähige Funkgerät ATR833S auf den Markt. Für den Bodenfunk befinden sich aktuell die Geräte der Modellreihe FSG im Produktsortiment.

f.u.n.k.e. Avionics vertreibt seine Produkte über ein weltweites Händlernetz und beliefert zudem als Erstausstatter zahlreiche Flugzeughersteller. Zu den Kunden gehört beispielsweise der Ultraleichtflugzeug-Hersteller Comco Ikarus, der in der C42 f.u.n.k.e.-Geräte einsetzt. Mit AutoGyro aus Deutschland, Trendak aus Polen und Ela aus Spanien ist man zudem exklusiv bei drei europäischen Tragschrauberherstellern vertreten. Zurzeit öffnet sich auch der Markt im Segelflugbereich: Etliche Piloten statten ihre Flugzeuge mit dem 2017 vorgestellten ATR833S aus. Es ist kompakt, benötigt nur wenig Platz hinter dem Panel, verbraucht wenig Strom und wiegt weniger als 400 Gramm. Hersteller wie Schempp-Hirth, DG-Flugzeugbau und Schleicher gehören mittlerweile zum Kundenstamm.

Die Buchloer sind auch im Projektgeschäft für verschiedene Luft- und Raumfahrtunternehmen tätig. Für den Airbus A310 MRTT der Luftwaffe liefert man beispielsweise seit 2004 den Missionscomputer, ist seither auch für die weiterführende Maintenance zuständig und wird das die nächsten Jahre bis zur Ausmusterung des Betankungsflugzeuges auch bleiben. Ein anderes großes Projekt, das bereits Ende der 90er Jahre anlief, ist EGNOS (European Geostationary Navigation Overlay Service), das ein Erweiterungssystem zur Satelliten-navigation ist und in Europa die Positionsgenauigkeit von GPS auf 1 bis 3 Meter verbessert. Die Kommunikationsexperten liefern dafür verschiedene Systeme – nicht für den Raumfahrtbereich, sondern für das operationelle Bodensegment. Anfang der 90er startete das EGNOS V1, bis es vor rund fünf Jahren durch die Phase 2 abgelöst wurde. Zurzeit hat die Entwicklung der dritten Generation begonnen, womit EGNOS für die Buchloer auch in den nächsten Jahren ein wichtiges Projekt bleiben wird.

Zurzeit arbeitet die hausinterne Prüfabteilung im Auftrag von Eurocontrol (Europäische Organisation zur Sicherung der Luftfahrt) an einer Studie zur 8,33-kHz-Einführung und bewertet fünf verschiedene Funkgerätetypen mehrerer Hersteller. Dabei geht es um zwei Boden- und drei Bordsysteme. Bei Letzteren sind neben dem ATR833S auch ein 20-Watt-Produkt des Hauptkonkurrenten Trig und sogar ein größeres Avioniksystem von Rockwell Collins vertreten. Ziel dieser Untersuchung ist es, herauszufinden, inwieweit diese Sys­teme kompatibel im Climaxbetrieb sind. Hierbei handelt es sich um ein Frequenzversatzverfahren, das mit einem Niederfrequenzfilter mehrere knappe Sendeunterschiede durchläuft und dabei prüft, wie gut die Funkgeräte damit zurechtkommen.

In diesem Jahr feiert f.u.n.k.e. Avionics das 25-jährige Bestehen. Seit der Gründung im Jahr 1992 hat die Firma, wie viele andere Unternehmen der Allgemeinen Luftfahrt auch, verschiedene Eigentümerwechsel erlebt. Ursprünglich als Filser Electronic gegründet, galt es für die kleine, auf Hochfrequenztechnik spezialisierte Firma bald die erste Hürde zu überwinden: Wegen der Produktentwicklung und des zu jener Zeit einsetzenden Transponder-Booms war schnell klar, dass man mit der erhöhten Nachfrage Schwierigkeiten in der Fertigungskapazität bekommen würde. Zu dieser Problematik gesellte sich auch die Frage, was passieren würde, wenn sich nach dem Produktionshoch der Markt wieder normalisierte. Deshalb suchte der damalige Geschäftsführer Michael Frost nach Partnern und wurde bei Branchenriese Rohde und Schwarz fündig. Es ergab sich eine Partnerschaft, bei der Rohde und Schwarz die Transponderfertigung weitestgehend übernahm, während die Endjustierung der Geräte in Buchloe stattfand. An dieser Aufteilung der Produktionsprozesse hat sich bis heute nichts geändert.

Aufgrund dieser positiven Erfahrung suchte Frost nach weiteren Partnern mit dem Ziel, verschiedene Vorarbeiten auszulagern, die für die Produktion von luftfahrttechnischen Geräten nötig sind. Die Funkwerk AG aus Ulm machte das Rennen und entschloss sich Anfang 2007 sogar dazu, Filser Electronic – in Einverständnis mit Michael Frost – komplett zu übernehmen. Im Zuge dieser Akquisition übernahm Dr. Thomas Wittig die Leitung des Unternehmens – Frost ist aber nach wie vor als Berater im Unternehmen aktiv. Bei Funkwerk lag der Fokus auf der Softwareentwicklung, wodurch nach dem Zusammenschluss des hinzugewonnenen Know-how in das Design von Funkgeräten einfloss.

2012 erfolgte schließlich ein neuerlicher Besitzerwechsel, und die Funkwerk Avionics GmbH wurde in die f.u.n.k.e. Mittelstands GmbH integriert. Heute generiert das Unternehmen jährlich 6,5 Millionen Euro Umsatz und beschäftigt etwa 35 Mitarbeiter in Buchloe. „Zu unseren Hauptmärkten gehören Deutschland, Frankreich und Großbritannien“, sagt Geschäftsführer Dr. Thomas Wittig.

„Darüber hinaus sind wir mit Tschechien und Polen in Osteuropa sehr gut aufgestellt und in letzter Zeit auch in Spanien stärker geworden.“ Was sich in den vergangenen 25 Jahren nicht geändert hat: Die Buchloer Funkgerätespezialisten nehmen auch mal selbst den Schraubenzieher in die Hand und kennen ihre Produkte in- und auswendig.

aerokurier Ausgabe 07/2017

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