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05.09.2017
Erschienen in: 08/2017  aerokurier

Tipps zum Überleben (Teil 2)Die richtige Technik gehört an Bord

Von der Taktik geht es ohne Umschweife zur Technik. „Wenn ihr nicht gerade über der Karibik unterwegs seid, ist ein passender Überlebensanzug mit Wärmeschutz-Unter-zieher Pflicht“, stellt der Fachmann klar.

„Dazu eine Schwimmweste mit 150 Newton Auftrieb, aber bitte eine manuelle! Automatikwesten können zur Todesfalle werden, denn wenn das Flugzeug in Rückenlage versinkt und die Kabine vollläuft, dann drückt euch die Weste nach oben, und ihr habt nicht genug Kraft, um nach unten zu schwimmen und Türen oder Fenster zu öffnen.“ Weiter referiert Holger über Rettungsinseln und Notvorräte sowie die Handhabung von Signalmitteln. Höhepunkt der Theorie: Zündeln. Wie eine Horde Hooligans auf dem Weg zum Stadion ziehen wir – mit Signalhandfackeln ausge-stattet – zum Abbrennplatz auf dem Areal und lassen bei aller gebotenen Vorsicht dem Pyromanen in uns seinen Spaß.

Eine Nacht bleibt uns, über das Gelernte zu schlafen, dann steht die Probe aufs Exempel an: Praxiserfahrung im Wasser. Das Becken des Trainingszentrums misst 23 mal 10 Meter und könnte Laien als zu groß geratener Hotelpool erscheinen. Allein die zwei Rettungsinseln im Wasser und die Kräne an der Decke stören das Bild. Und dann gibt es da ein Kontrollterminal mit dem Schriftzug „Water Fun“. Sehr ironisch, denke ich, denn bereits am Vortag hat uns Tobias demonstriert, dass die Trainer damit den Weltuntergang simulieren können. 

Raue See und 40 Knoten Wind

Auf Knopfdruck verwandelt ein Wellengenerator das Wasser im Planschbecken in aufgewühlte See; Ventilatoren blasen knapp 40 Knoten Wind durch die Halle, und ein Decken-Fan simuliert den Downwash eines Rettungshelikopters. Unnötig zu erwähnen, dass die Halle auf Knopfdruck stockdunkel wird und Lichtblitze aus Stroboskopen und Donner aus Lautsprechern ungeahnt realistisches Gewitterfeeling beisteuern können.

Wir wühlen uns in Kälteschutz-Unterwäsche und streifen die Überlebensanzüge Auf Knopfdruck verwandelt ein Wellengenerator das Wasser im Planschbecken in aufgewühlte See; Ventilatoren blasen knapp 40 Knoten Wind durch die Halle, und ein Decken-Fan simuliert den Downwash eines Rettungshelikopters. Unnötig zu erwähnen, dass die Halle auf Knopfdruck stockdunkel wird und Lichtblitze aus Stroboskopen und Donner aus Lautsprechern ungeahnt realistisches Gewitterfeeling beisteuern können.

Wir wühlen uns in Kälteschutz-Unterwäsche und streifen die Überlebensanzüge über. Inzwischen ist unser Kurs zu einer Crew geworden, man hilft sich gegenseitig. Berührungsängste? Fehlanzeige. Die kann man sich im Notfall auch nicht leisten. Allein ist man nahezu verloren. Statistisch gesehen steigt die Überlebenschance durch Anwesenheit eines Partners bereits um 30 Prozent, hatte Holger im Theoriekurs erklärt. Einfach aus dem Grund, weil man sich gegenseitig helfen und – noch wichtiger – Mut zusprechen kann und nicht so schnell aufgibt.

Zum Aufwärmen geht es auf den vier Meter hohen Übungsturm und von dort durch eine Notrutsche, die eher an eine riesige Aalreuse erinnert, in die offene Rettungsinsel. Die „See“ unten ist ruhig, als ich in Schutzhaltung mit den Armen vorm Gesicht durch das Netz poltere. Beim nächsten Durchgang läuft die Wellenanlage, und schon hier wird deutlich, dass das eine ganz andere Nummer ist, wenn sich alles bewegt.

Stufe zwei ist die Helikopterbergung aus der Insel. „Das Wichtigste ist, dass immer einer den Haken festhält“, mahnt Holger. Klar, wenn man drei Kilogramm Eisen schwungvoll an den Kopf kriegt, gehen definitiv die Lichter aus. Wir verfolgen aufmerksam, wie ein Unterkühlter richtig am Windenseil befestigt wird: eine Schlaufe unter die Achseln, eine in die Kniekehlen. Stichwort Bergungstod. Das exerzieren wir trocken durch, bis es sitzt.

Zum Aufwärmen geht es auf den vier Meter hohen Übungsturm und von dort durch eine Notrutsche, die eher an eine riesige Aalreuse erinnert, in die offene Rettungsinsel. Die „See“ unten ist ruhig, als ich in Schutzhaltung mit den Armen vorm Gesicht durch das Netz poltere. Beim nächsten Durchgang läuft die Wellenanlage, und schon hier wird deutlich, dass das eine ganz andere Nummer ist, wenn sich alles bewegt.

Stufe zwei ist die Helikopterbergung aus der Insel. „Das Wichtigste ist, dass immer einer den Haken festhält“, mahnt Holger. Klar, wenn man drei Kilogramm Eisen schwungvoll an den Kopf kriegt, gehen definitiv die Lichter aus. Wir verfolgen aufmerksam, wie ein Unterkühlter richtig am Windenseil befestigt wird: eine Schlaufe unter die Achseln, eine in die Kniekehlen. Stichwort Bergungstod. Das exerzieren wir trocken durch, bis es sitzt.

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