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09.12.2015
Erschienen in: 07/2015  aerokurier

Berufe in der LuftfahrtFlugleiter auf dem Verkehrslandeplatz

Der Flugleiter ist die Stimme des Flugplatzes. Und noch sehr viel mehr: Abseits des Mikrofons sind die Aufgaben überaus vielfältig. Gefragt sind Talente auf vielen Gebieten.

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Flugleiter auf dem Verkehrslandeplatz sind echte Multitalente. Foto und Copyright: Holland-Moritz

Wir suchen Verstärkung! Diese oder eine ähnliche Überschrift kann man in den einschlägigen Jobbörsen immer mal wieder lesen, natürlich auch im Stellenmarkt des aerokurier. Wenn irgendwo auf einem Verkehrslandeplatz ein Flugleiter fehlt, dann wird offensichtlich immer eine Persönlichkeit mit  vielen Talenten gesucht. Technisches Verständnis soll er/sie mitbringen, aber auch handwerkliches Geschick, Verantwortungsbewusstsein, verbindliches Auftreten, Servicedenken, Dialogfähigkeit mit mitunter sehr spezieller Kundschaft und vieles mehr. Die rein formalen Mindestvoraussetzungen für die Flugleiterposition sind demgegenüber schnell erklärt: Zumeist werden eine Pilotenlizenz und ein Sprechfunkzeugnis erwartet. Eine abgeschlossene Ausbildung als „Flugleiter“ dagegen wird normalerweise nicht verlangt. Denn es gibt keinen verbindlich definierten und vorgeschriebenen Werdegang zum Flugleiter auf Verkehrslandeplätzen im Luftraum G. 

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Flugtage sind die Ausnahmeerscheinung im Flugleiterleben. Nun sind die Erfahrung und die Gelassenheit des Routiniers gefragt. Foto und Copyright: Herzog

Trotzdem, oder wohl eher gerade deswegen, wird der Arbeitstag von einem sehr breiten Spektrum an Aufgaben bestimmt. Diese könnte man in vier Blöcke unterteilen. Da ist zum einen der Beratungs- und Informationsdienst, der aus der erhöhten Warte des Turms stattfindet und dessen zentrales Werkzeug der Sprechfunk  ist. Im zweiten Bereich geht es um die für den Flugbetrieb erforderliche Infrastruktur. Denn die Verantwortung für den Zustand der  Rollwege, der Schilder, der Lampen, der Peiler und aller anderen Anlagen und Einrichtungen obliegt dem Flugleiter. Morgens, noch bevor der erste Flugmotor angelassen wird, ist also erst einmal eine ausgiebige Kontrollrunde angesagt. Ein weiterer Bereich ließe sich mit „administrative Aufgaben“ überschreiben. Das Führen des Hauptflugbuchs gehört zum Beispiel dazu, also das Notieren der Start- und Landezeiten und anderer Daten. Häufig ist der Flugleiter auch der Kassierer der Landegebühren und Spritrechnungen. Und nicht selten zählt auch das Verwalten der Vorräte dazu.

Gearbeitet wird im Schichtdienst

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Arbeitsplatz Verkehrslandeplatz: Vielfältige Aufgaben warten hier. Foto und Copyright: Flugplatz Hangelar/Unterberg

Das vierte Aufgabengebiet ist das wohl vielseitigste und am wenigsten definierbare. Hier kommen die viel zitierten „handwerklichen Fertigkeiten“ zum Tragen. Denn das gesamte Flugplatzgelände mit seinen Gebäuden, Flächen und Fahrzeugen will gepflegt und instand gehalten werden.

Viele der täglichen Alltagsnöte und -problemchen landen im Zweifelsfall erst einmal beim Flugleiter. Sei es der nicht anspringende Traktor, das klemmende Hallentor oder der zugewucherte Kabelschacht. Freude am Umgang mit Rasenmäher & Co. ist ohnehin hilfreich, denn Gärtnerarbeiten machen oft einen Großteil der Dienstzeit aus.

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Auch das gehört dazu: Schneeräumen mit dem Traktor. Foto und Copyright: Schulz

Gebraucht wird also die „eierlegende Wollmilchsau“, nennt es Jürgen Unterberg vom Verkehrslandeplatz Bonn/Hangelar. Der Betriebsleiter der Flugplatzgesellschaft setzt mittlerweile, nach der Umstrukturierung der Luftaufsicht in NRW, ausschließlich auf eigene Leute im Turm. Sieben Festangestellte beschäftigt der Platz als Flugleiter/in, hinzu kommen vier 450-Euro-Kräfte. Die Bezahlung richtet sich generell nach der Entgeldtabelle für Kommunen. Die Mindestbesetzung während der Betriebszeit des Platzes besteht aus einem Flugleiter und zwei Platz-/Tankwarten.

Gearbeitet wird im Schichtdienst, wobei eine Schicht im Sommer in der Regel 13,5 Stunden lang ist. Allerdings sitzt niemand länger als acht Stunden am Funk. Nach der Zeit am Mikro widmet er sich für den Rest des Tages den anderen Aufgabenbereichen. Auf diese Weise ist es möglich, die Monatsarbeitszeit mit 14 Schichten abzuleisten. Bevor jemand die alleinige Verantwortung für den Flugverkehr bekommt, durchläuft er in Hangelar eine halbjährige Einarbeitungszeit, an deren Ende ein Cross Check von einem erfahrenen Kollegen steht. Auch danach stehen regelmäßig Weiterbildungen und Übungen an, nicht zuletzt mit der Feuerwehr, denn der Flugleiter ist immer irgendwie auch Feuerwehrmann – im doppelten Sinn.

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